Es war meine Premiere in „La Serenissima“. Vor unserem, von meinem Liebsten detailliert vorbereiten Ausflug, war für mich Venedig vor allem Canale Grande, Karneval und Casanova. „Canticum Sacrum“ von Stravinsky und „Der Kaufmann von Venedig“ von Shakespeare auch. Die Lagunenstadt ist ein Mythos und deshalb war ich gespannt, ob sie nur schön ist oder ob sie mich auch berührt. Was kann eine Stadt bieten, die nicht mehr pulsiert und wo schöne Plätze nur von Touristenrestaurants beleuchtet werden? Fährt man da fröhlich Gondel, genießt ein Eis auf Piazza di San Marco und verspricht sich die ewige Liebe?

Der Sommertag in Venedig ist nicht besonders. Der Markusplatz ist überfüllt, die Straßen voller Kitsch und alles viel zu heiss. Wir saßen deshalb gern im Garten unseres Hotels, gingen shoppen und schauten uns ein paar schöne Kirchen an. Aber das genügt natürlich nicht um einen Mythos aufrechtzuerhalten. Ich denke, die wahre Stadt Venedig wacht erst nach Sonnenuntergang auf. Nach Aufbruch der Dunkelheit entdeckt man den ganzen Betrug des Tages.  Auf einmal riechen die Kanäle stärker, die Straßen sind leiser und die Ratten lauter. Venedig ist morbide. Aber auf seltsamer Weise auch erotisch und schön. Es ist eine reizvolle Mischung aus beängstigend und verführerisch. Die leeren Palazzi erzählen eine Geschichte von Eitelkeit und Begierden, Sünden und Zerfall. Eine ehrliche Geschichte. An dem ersten Abend in Venedig saß ich alleine kurz vor Mitternacht am Canale Grande und schrieb in mein Moleskine: „Diese Stadt ist jetzt am schönsten. Noch fünf Minuten, dann gehe ich ins Hotel. Mögen diese fünf Minuten nie enden.“

Wenn ich Euch jetzt Reisetipps für Venedig geben sollte, besucht ruhig Murano, Burano, schöne Kirchen und Museen, kauft euch Schuhe (in den kleinen Boutiques findet man fantastische Schuhe) und Parfüms, aber lasst euch nicht zu sehr vom Touristenlärm ablenken. Die altehrwürdige Stadt hat mehr zu bieten. Vor allem in der Nacht.

4 Comments

  1. Tino Uhlig sagt:

    Liebe Frau Balova,seit einiger Zeit verfolge ich sehr wohlwollend auf Facebook die Aktivitäten Ihres Ehemannes,Herrn Krah.Auf diesem Weg ergab sich der erste Kontakt zur “frau mit eigenschaften”.Gemeinsam mit mit meiner Frau wird doch durchaus kontrovers Ihr Blog diskutiert,allein Ihre Einstellung zu Stil und Fashion erfreut uns,zeigt es doch das Stil eben nicht das Ende des Besens ist.Verfolgen wir Ihre Reisen und Ihre dazugehörigen Kommentare so haben Ihre Fashion Tips durchaus unseren Geschmack getroffenen,oft allerdings schon selbst gelebt und getragen.Sei’s drum,abseits vom täglichen Einerlei,schön das Schönes noch so toll von Ihnen präsentiert wird,herzlichen Dank dafür.P.S…..mit Verlaub,einige Shoots sehen ein wenig “künstlich”aus,bitten Sie doch Ihren Fotografen keine Kunstwerke zu schaffen….

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar! Es freut mich, dass mein Blog Sie und Ihre Frau interessiert. Danke auch für den Hinweis, dass manches “künstlich” aussieht. Wie bereits geschrieben, wir sind erst Anfänger und haben noch einiges zu lernen.

  2. Venedig ist nicht einfach. Ein Venedig-Kenner sagte mir, dass man die Stadt am besten Mitte Jänner besucht, wenn die Touristen weg sind.

  3. robson sagt:

    Alles gut, verehrte Frau Ballova! Es kommt sehr authentisch rüber, daß es Ihnen gefallen hat. Vor dieser Kulisse darf man, muß man sich fast ein bißchen inszenieren. Sie waren sicherlich eine Bereicherung für diese Stadt, was nicht für alle Besucher zutreffen dürfte (und das soll jetzt wirklich kein Touri-bashing sein). Reisen Sie!!! Ich freue mich auf weitere Berichte
    R.

    P s. Wir haben selbst spät abends mal das um die Wette Fiedeln der Kapellen am Markusplatz miterlebt. Herrlich! Natürlich muß man über Nacht bleiben…

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